Der Pädagogische Blick zum Tag der Deutschen- Einheit

Von Heinz-Willi Radermacher-Blom.

Bedburg 03.10.2018 – Zum Tag der Deutschen Einheit, stelle ich die Frage, wie integriert wir sind. In der Gemeinschaft, entstehen soziale Erfahrungen. Doch wie sieht unsere Gemeinschaft heute aus?

Ich erlebte in den 80er Jahren eine Schulbildung, in der Lehrer noch Zeit für den einzelnen hatten und Kinder fördern konnten. Zumindest mehr als 2018 . Seit den 2000er, mit zahlreichen Agenden , ist die Agenda der schwarzen 0 was uns heute als Ergebnis vorliegt.

Ein starres Schulsystem, welches auf die Weitergabe von Wissen fixiert , nicht auf Schulbildung. Die Schulpflicht wird ausgeübt. Ein probates Mitteln das in Diktaturen dazu genutzt wird Wertvorstellungen eines Systems zu festigen. Das Volk als hörige Arme. Als ein im Sinne der Diktatur funktionierende Gesellschaft.

In der damaligen DDR, wurden solche Werte vermittelt. Werte?
Das Kinderfernsehen in der DDR war Teil eines gesellschaftlichen Erziehungsprojektes und verstand sich gleichzeitig als Unterhaltung und als Kunst. Mit der Absicht, erzieherisch zu wirken, unterschied es sich nicht vom Kinderfernsehen der Bundesrepublik, nur wollte man eben auf eine ganz andere Gesellschaft hin erziehen. Dabei spielte im Kinderfernsehen der DDR immer auch eine Rolle, eine Abwehrbereitschaft gegenüber dem Westen zu erzeugen.

Fernsehen als pädagogisches Instrument

Fernsehen für Kinder wurde in den 1960er Jahren explizit als pädagogisches Instrument verstanden. Die Macher des Kinderfernsehens arbeiteten intensiv mit den Verantwortlichen der SED, der Leitung der Pionierorganisation, der Freien Deutschen Jugend und Vertretern des Ministeriums für Volksbildung der DDR zusammen. Der pädagogischen Arbeit lag die Vorstellung vom ‚defizitären Kind‘ zugrunde, es war ein ‚unfertiger Mensch‘, der so schnell wie möglich erwachsen werden sollte. Dabei hatte das Fernsehen zu helfen (vgl. Stickelmann u. a., 2005).

Deutsche Wiedervereinigung war – und ist auch heute noch-ein asymmetrischer Prozess: Die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland – der institutionelle Rahmen Westdeutschlands – wurde auf die DDR übertragen. Die Ostdeutschen mussten und müssen die Situation einer neuen Verfassung vor dem Hintergrund ihrer Sozialisation in der DDR bewältigen. Es ist keineswegs selbstverständlich, dass sie sich in ihren Werthaltungen an die Westdeutschen anpassen, müssen/wollen. Die neue Verfassung traf und trifft in Ostdeutschland auf eine Bevölkerung, welche naturgemäß die Dinge erst einmal aus der Sicht der Verfassung der DDR bewertet. Wie die Ostdeutschen den Transformationsprozess erleben, was sie in der Situation dieses Prozesses erfahren, interpretieren sie auf Basis ihrer Sozialisation in der DDR. Sozialisation und Situation sind nicht – wie häufig unterstellt – alternative Einflüsse; sie wirken zusammen.

Spezifische politische Erfahrungen der ehemaligen DDR-Bürger haben viel Anteil daran, dass rechtes Gedankengut entsteht.
„Unverständnis für eine Parteienvielfalt, welche die Identität von Volk und Staat vermeintlich untergräbt“ präge nach wie vor das Denken ostdeutscher Bürger“

Mit dem Ziel, einen „sozialistischen Patriotismus“ zu schaffen, strebte die DDR-Pädagogik danach, eine „Heimatliebe“, eine Art kollektives Bewusstsein zu schaffen, in dem der Einzelne, der Fremde gar, nichts zu suchen hatte.

Diese Pädagogik erlebt heute eine ungewollte Reform. Lehrermangel und schwarze null zu Lasten der Bildung sowie Kreativität. Die Schulpflicht vermittelt starres Wissen und hat keine Zeit für kreative Momente oder Bedürfnisse.

Nicht nur Prof.Dr. Hüther,warnt vor einem solchen System, sondern auch Prof.Dr. Karl-Josef Kluge. Beide warnen seit Jahren davor, dass ein System entsteht, in dem sich eine Diktatur selbständig entwickelt.

Genau hier ist der Unterschied zwischen der bewussten Förderung der Diktatur und ein entstehen durch Politisches Versagen. Bei der Entstehung durch politisches Versagen, spricht der Volksmund von der Selbstabschaffung der Politik.

Das Kindeswohl im Blick?

Es ist in den meisten westlichen Ländern dem Staat nicht gestattet, in das Erziehungsrecht der Eltern einzugreifen. Dies ist nur in begründeten Ausnahmefällen möglich, wie beispielsweise bei der Gefährdung des Kindeswohls. Dabei muss jedoch beachtet werden, dass die Auslegung dieser Gefährdung immer bei der Rechtsprechung liegt, da es sich ja beim Kindeswohl um einen unbestimmten Rechtsbegriff handelt. Dies bedeutet in der Praxis, dass individuell geprüft werden muss, ob und gegebenenfalls in welchem Ausmaß eine Gefährdung des Kindeswohls vorliegt.

Doch Prüft der Staat sich auch?

Gerade in der letzten Zeit erfahren wie vermehrt von Ereignissen in Schulen und andere, im besten Fall, Kindeswohlfördende Einrichtungen, welche die Frage aufwerfen, sind Pädagogen / Erzieher überfordert. Stellt dieser Umstand selber eine Kindeswohlgefährdung dar?

Das Kindeswohl im Spannungsfeld zwischen elterlicher Freiheit und staatlicher Kontrolle.

Kindeswohlgefährdung wird unterschieden im rechtlichen Sinne und im pädagogischen Sinne.

1. Es mangelt dem Kind an Förderung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit.
2. Es werden Grundrechte missachtet oder verletzt, die dem Kind nach dem GG zustehen.

So wird bereits durch Merkmal 1 das Kindeswohl gefährdet. Denn wenn der Staat bereits im Sinne der Pädagogischen Kindeswohlgefährdung die Best mögliche Versorgung zu einer Unterversorgung macht , durch mangel von Fachpersonal, Überforderung in den Berufen und Vernachlässigung der Mittel und Gebäude. So ist der Staat im Sinne des Pädagogischen Kindeswohles „ Kindeswohlgefährdend“ .

Die Überforderung von Pädagogen und Erziehern , führt unweigerlich in ein Diktatorisches System. In ein System in denen Erzieher und Pädagogen sich nicht selbstkritisch betrachten , sondern in ein System in der Qualität sinkt.

Was ist mit den Eltern? Welchen Anteil haben diese?

Wenn wir auf die 68er Bewegung zurück blicken, so beschreibt Hurrlemann dieses, indem er auf einer Frage im Westfalen-Blatt Antwortet:
(Klaus Hurrelmann (74) ist einer der wichtigsten Bildungs- und Erziehungsforscher. Von 1980 bis 2006 war er Professor an der Universität Bielefeld,)

Wenn Sie 50 Jahre zurückblicken: Hat 1968 in der Pädagogik mehr Gutes oder mehr Schlechtes bewirkt?

Hurrelmann: Aus heutiger Sicht ist die Bilanz ambivalent, vielleicht sogar etwas negativ. Die Reaktion auf die Erziehung vor 1968 war ein starker Pendelausschlag. Die autoritäre Erziehungstradition, wie sie auch meine Eltern nicht anders kannten, wurde von einem Moment auf den anderen völlig zu Recht als unhaltbar, entwürdigend und menschenverachtend klassifiziert. Die Gegenbewegung der 68er war aber ihrerseits absolut ideologisch. »Wir wollen uns keiner Autorität unterwerfen«, »Wir sind uns selbst genug« – das war das Credo. Der Glaube war, dass nur eine selbstbestimmte Handlung ohne das Setzen irgendwelcher Grenzen von außen Menschen stark machen würde. Weiter gibt er zu verstehen:

Wann ließ man von dieser Ideologie ab?

Hurrelmann: Anfang der 80er Jahre begann dann endlich die Diskussion darüber, dass der Ausschlag des Pendels wohl zu stark war. Und es stellte sich die Erkenntnis ein, dass der bessere Erziehungsstil wie immer aus beiden Komponenten besteht: selbstverständlich mit einer guten Dosis Autorität der Eltern und der Lehrer – unter Berücksichtigung der kindlichen Bedürfnisse. Beide Methoden, autoritär und antiautoritär, waren überhaupt nicht zielführend, denn am Ende standen eben keine starken, leistungsfähigen und sozial kompetenten Persönlichkeiten.

Vergessene Eltern

Während sich Pädagogen und Fachleute mit den verschiedenen Erziehungspsychologischen Fragen beschäftigten und den Modellen, wurden die Eltern vergessen.
Daraus entsteht der Beweis für den Satz von Prof.Dr. K.-J. Kluge Uni Köln :

„ Eltern sind gut, so gut wie diese können.“

Zugegeben, das folgende Beispiel ist verletzend, beschreibt die Situation bestens: Wenn ein Elternteil ein Kind schüttelt , weil es Schreit und das Kind an den Verletzungen stirbt, so war das Elternteil gut, so gut wie es konnte , denn es wusste es nicht besser. Niemand, würde sein Kind bewusst in einer solchen Art verletzen wollen. Niemand sagt, ich schüttele jetzt mein Kind, damit es stirbt. Das Bedürfnis darin ist entstanden das Kind zu beruhigen.

Sie wussten es nur nicht besser, da niemand Ihnen beigebracht hat, wie es besser geht. Nach der 68er Bewegung, wurden Eltern und deren Pädagogik, schlicht vergessen. Daher setzte sich der damalige Erziehungsstiel auch bis weit in die 80er weiter fort.

Elternschaft mit Anspruch

Eltern stellen den Anspruch „gute Eltern“ zu sein. Doch zu viele Eltern fühlen sich in der Erziehung ihrer Kinder verunsichert. Oft fehlt es ihnen in Erziehungsfragen selbst an Orientierung. Sie wissen nicht, was sie fordern dürfen, wie sich Werte heranbilden, wer verantwortlich ist und was eine gute Erziehung überhaupt auszeichnet.

Einigen Eltern fehlen Wissen und Fertigkeiten, die für die Entwicklung ihres Kindes wichtig sind. Einige entwöhnen ihre Kinder zu früh, reagieren zu streng bei den ersten eigenen „Geh-Versuchen des Kindes“ in einer neuen Phase, behüten ihr Kind überhaupt nicht, weil sie meinen, es müsse durch negative Erfahrungen lernen oder versuchen den Willen des Kindes mit allen Mitteln zu brechen. Andere Mütter sind überbehütend, binden das Kind zu sehr an sich und erlauben ihm dadurch keine eigene Entwicklung.

Natürlich ist selbst die beste Erziehung kein Garant für ein gesundes starkes Kind. Viele andere Faktoren beeinflussen ebenso die psychische Entwicklung des Kindes. Dennoch legt eine konsequente liebevolle, auf die Bedürfnisse des Kindes abgestimmte Erziehung, die Basis für ein glückliches zufriedenes Kind.

An Konflikten wachsen?

Für Familien sind Ehekonflikte eine Belastung, von denen 20% aller Ehepaare berichten (Institut für Demoskopie Allensbach 1985; Krombholz 1987). Einigen Befragungen zufolge wächst seit 1953 die Anzahl der Streitthemen, die meisten Meinungsverschiedenheiten Bekannte und Freunde, Kindererziehung, Finanzen, Politik, Wohnungseinrichtung, religiöse Fragen und berufliche Dinge betreffen – in dieser Reihenfolge (Institut für Demoskopie Allensbach 1983; Weiß 1985).

Gestresste Eltern – überforderte Ämter

Weil keiner es besser weiss. Denn auch in der Jugendhilfe gilt der Satz von Prof. Dr. Kluge: „ Eltern sind gut, so gut wie diese können.“ Jedes Jahr gibt der Staat Milliarden für Inobhutnahmen aus, weit mehr als für Jugendeinrichtungen und die sozialpädagogische Familienhilfe. Und immer häufiger steht die Einweisung in ein Heim oder in eine Pflegefamilie am Ende eines erbitterten Streits, den Eltern nach einer Scheidung oder Trennung ums Sorgerecht führen. Familienrichter sind mit den Emotionen dieser Privatfehde häufig überfordert und auf den mitunter rücksichtslosen Kampf ums Kind schlecht vorbereitet. Sie verlassen sich auf das Urteil überlasteter Jugendämter und unqualifizierter Sachverständiger.

Verschieben statt verwalten

Wirkliche Hilfe leisten Mitarbeiter des ASD in der heutigen Zeit nicht mehr. Daran ist nicht nur der Mangel an Qualifikationen schuld, sondern auch die steigenden Fallzahlen und das nicht vorhanden sein von Fachkräften. Diese Belastung kann nur verringert werden durch die Mitarbeiter, indem Kinder vorschnell in Einrichtungen untergebracht werden zu Milliarden Kosten. Ein System welches sich selbst abschafft. Der Fall verschwindet von dem Schreibtisch oder verringert sich im Arbeitsaufwand von 50% wenn das Kind in einer Einrichtung lebt.

Abrechnungen der zumeist als Gewinner anzusehenden Freien Träger von Einrichtungen oder Hilfen werden zu häufig einfach nur durchgewunken und nicht geprüft. Es wird nicht mehr bewertet, sondern entwertet.

Möglichst positive Berichte, negativ für Eltern , traumatisierend für Kinder halten diese Maßnahme aufrecht und begründet. So wird Narrativ (der Meinung der vielen entsprechend) , geschrieben. Das Gericht wird es schon glauben , da es die Meinung der vielen ist, was auch oft im Gericht seine Anwendung findet.

Gedanken für die Zukunft

Meinen Beitrag möchte ich an dieser Stelle beenden. Ich wünsche mir, einen positiven Beitrag zum Nachdenken an diesem „Feiertag“ geleistet zu haben. Es gibt viele Bereiche der Pädagogik , Politik und deren Auswirkungen auf Familien und Helfern. Fachbegriffe und Wissenschaft. Mir ist es wichtig, diesen Artikel verständlich für jeden zu veröffentlichen und auf das Wesentliche Rücksicht zu nehmen. Bewusst wurden die Themen nicht abgeschlossen da diese zur Diskussion anregen sollen.

Danksagung:

Meine Danksagung gilt allen Eltern, Pädagogen und Sozialarbeitern wie auch Erziehern.

Wir sitzen alle in demselben Boot, manchmal wird vergessen, den einen oder die andere einsteigen zu lassen. Leider geschieht dieses in der Politik zu oft.

Wie können wir es besser machen?

Ich erlebe Foren von Eltern, welche über den ASD schimpfen , Pädagogen welche über Eltern diskutieren, Erzieher die über Arbeitsverhältnisse klagen. So lange wir in dieser Ordnung nicht funktionieren, werden wir positiv nicht anerkannt. Gemeinsam mit Wertschätzung, Logik und Respekt können wir die notwendigen Veränderungen noch herbeiführen.

Gemeinsam als Netzwerk den Bedürfnissen entsprechend.
Geht aufeinander zu und seit gemeinsam aktiv.

Einheitlich für die Zukunft unserer Kinder. Öffnet euch und ladet ein.

Als die Mauer fiel, geschah nichts anderes.

Tag der Deutschen Einheit

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